Tag 1
Von Frau Richter und Herrn Krämer begleitet startete ein Teil der Gruppe pünktlich mit der Regionalbahn in Lauf Richtung Weimar. Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten, ging es zum ersten wichtigen Stopp: dem Mittagessen. Dabei wurde die Schärfe von Chilis getestet, wobei sich die weiblichen Teilnehmerinnen als die schmerztoleranteren Siegerinnen entpuppten. Danach machten wir Schülerinnen und Schüler uns auf, die Stadt zu erkunden und suchten dabei erstmal eine Eisdiele auf, um die strapazierten Geschmacksnerven wieder zu beruhigen. Unser erster kultureller Programmpunkt war die Anna-Amalia-Bibliothek und der dazugehörige Rokoko Saal. Wie wir bei der Führung erfahren haben, beinhaltet diese circa 1,2 Millionen Bücher, wobei der Großteil davon seit einem Brand 2004 unterirdisch verstaut wird. Teile der Bibliothek sind jedoch öffentlich und können bis heute zum Lesen genutzt werden. Der prachtvolle Rokoko-Saal, in dem uns die ersten Büsten von Goethe, Schiller, Herder, Wieland und anderen Prominenten der Weimarer Klassik begegneten, war in der Führung mit inbegriffen. Nach dem Abendessen zog es uns in den Freizeitraum, in dem wir beim Tischhockey und -kicker den Schulstress hinter uns lassen konnten.
Tag 2
Der neue Tag startete im Museum „Neues Weimar“. Neben einer weiteren steinernen Abbildung von Goethe, welche von imposanter Größe war, war reichlich Kunst geboten. Beeindruckende Werke des Impressionismus schmückten die Wände, aber auch eine Sammlung an Büsten des Schriftstellers Friedrich Nietzsche war zu bewundern. Im Anschluss gab eine weitere Führung Gelegenheit, das Weimarer Bauhaus näher kennen zu lernen. Wie wir mit etwas gesundem Menschenverstand feststellen durften, handelt es sich dabei um einen Baustil (und nicht um den Baumarkt, der kurz vor der Tagesschau beworben wird), wobei man jedoch, wie wir erfahren haben, unter keinen Umständen vom „Bauhausstil“ sprechen darf. Auch interessant waren die typischen bequemen Sitzmöglichkeiten, die dem Körper Erholung boten, so dass sich der Geist für die ersten Gedanken an die bevorstehende Nahrungsaufnahme öffnen konnte. Nach dem Mittagsessen machten wir uns auf, die einstige Behausung des Weimarer Prominenten Friedrich Schiller zu besuchen. Mit Begleitung von Audioguides erkundeten wir selbstständig die zahlreichen Räume und erfuhren das ein oder andere Neue. Nicht zu vergessen, befand sich dort auch die besonders ansprechend gestaltete Faust-Ausstellung. Nach dem Abendessen brachen wir zum letzten Ereignis und auch dem kulturellen Höhepunkt des Tages auf. Die Theateraufführung von „Die Leiden des jungen Werthers“, Goethes Briefroman, welcher bereits seit 250 Jahren aufgeführt wird, bot uns die Möglichkeit, eines von Goethes bekanntesten Werken näher kennen zu lernen. Wer hierbei mit trockenen Rezitationen und einer Darstellung wie vor 250 Jahren gerechnet hat, wurde nach kurzer Zeit von bunt gestalteten Kostümen, einem spektakulären, beweglichen Bühnenbild und Musikeinlagen überrascht. Zusätzlich wurde die Vorstellung von den Akteuren selbst immer wieder unterbrochen, um das Wissen des Publikums aufzufrischen.
Tag 3
Im Goethehaus angekommen, konnten wir unser Wissen mit Hilfe von Audioguides bereichern und durch etwas protzigere Räume schlendern als noch am Vortag im Schillerhaus. Die Tour endete im Hausgarten, wo man ein paar warme Sonnenstrahlen genießen konnte. Leider war die Zeit dafür begrenzt und kurz darauf fanden wir uns im Goethe-Nationalmuseum, einem vergleichsweise düsteren Gebäude, wieder. Hier wurden wir neben Goethes Karriere auch über seine Liebschaften, Reisen und Zeichenkunst unterrichtet. Frau Richter verschaffte uns daneben weitere Einblicke in die nicht ganz jugendfreien Denkweisen des Genies, indem sie uns aus Teilen seiner Werke vorlas. Bei unserer letzten Mahlzeit in Weimar sollte die Gelegenheit genutzt werden, Thüringer Spezialitäten zu probieren. Auch wenn der Unterschied zwischen Thüringer Klößen und Fränkischen Klößen deutlich geringer war als gedacht, wurde das kulinarische Angebot vollständig ausgekostet. Mit vollem Magen brachen wir aus Weimar auf und ließen das kulturelle und kulinarische Abenteuer in einer zauberhaften Stadt hinter uns.
Helene März, FS12